In den Diskussionen zu Wayland taucht(e) ja immer wieder die Argumentation auf, dass der Code vom X(.Org) Server einfach zu undurchsichtig und generell X11 zu einschränkend und unsicher ist und daher das Beste wäre, einfach das ganze X11-System neu aufzusetzen. Das wurde mit Wayland dann auch getan aber die Macher von Wayland wollten gleich den "großen Wurf" mit einigen Paradigmenwechsel (kein Client-Server Modell mehr, ein anderer Umgang mit Rechten usw.). Letztere bringen dann aber wieder an anderen Stellen Einschränkungen mit sich (z.B. das Laufen von bestimmtes Apps, Kompatibilität mit anderen unixoiden System, usw.)
Die Person, die das Phoenix-Projekt betreibt, sieht die eigentlichen Probleme von X11 im X Server, programmiert diesen neu und belässt dabei den Rahmen von X11 weitestgehend. Prinzipiell ist das doch eine smarte Idee, deren konsequente und gelungene Umsetzung vor anderthalb bis zwei Jahrzehnten vermutlich eine durchschlagende Wirkung erzielt hätte, weil die Entwicklung Wayland aufgrund seiner hoch gesteckten Ziele ja nur langsam voranging.
Ich bin aber skeptisch, dass Phoenix heute noch gute Chance hat, etwas breiter angenommen zu werden. Mittlerweile sind große DE's mehr oder weniger auf Wayland umgestellt --- und das ist für mich nachvollziehbar: Den kaum noch gepflegten Code von X.org zu verwenden, birgt halt auch gewisse Risiken. Das war ein riesiger Aufwand, warum sollte diese DE's "zurück" zu X11 wollen? In die "Marktlücke" für diejenigen, die Wayland nicht verwenden wollen, drängt bereits das XLibre-Projekt. Die Motivation, die borrtux oben anführt, leiten auch Projekte wie XWayland und Wayback an, die in Wayland integriert sind. Andere Probleme wie das der Kompabilität zu anderen unixoiden Systeme sind eher marginal und XLibre ist auch schon dabei, in BSD und IllumOS vorzudringen.