Ja, KI wird vieles verändern. Aber bis dahin muss sich die KI auch noch deutlich verändern. Was sie auch tut, doch in meinen Augen im Moment eher zum schlechten.
Ich nutze KI ganz gerne, um Tools mit massig Parametern effizient zu nutzen. Zum Beispiel bei qemu habe ich meine Windows 11 Maschine, also der Startcode von ChatGPT prüfen lassen und da kamen interessante und sehr nutzbringende Dinge bei raus. Wer meine Software unter Void Videos kennt weiss aber, dass die virtuelle Maschine da hakt. ChatGPT hat mir das schwer verhagelt. Das finde ich dann schon schwach, wenn es vor ein paar Monaten ein echt brutal gutes Ergebnis geliefert hat und jetzt Parameter setzt, die in qemu gar nicht drin sind.
Nach dem Einführen der Canvas war das gemeinsame Arbeiten mit ChatGPT ein Traum. Im Moment ist es für mich echt ein Alptraum. Vorher hab ich da einfach meinen Code rein geworfen und zum Beispiel um das lokalisieren eines Fehlers gebeten. Da kam dann, dass in Zeile x ein Fehler war. Super Sache. Heute werden mir 200 Kommentare rein geflickt, die ich gar nicht haben wollte, ChatGPT ändert meine Allman-Formatierung sofort in diese für mich grausame Formatierung ab, schlägt mir weitergehende Verbesserungen vor, sucht aber gar nicht nach dem Fehler. Die Meldung, dass man die Zeit für das Mdell 4o überschritten hat wird auch oft unterschlagen. Auf einmal kommen total abstruse Antworten und wenn ich dann frage, was in einer bestimmten Zeile im Canvas steht, kommt nur Blödsinn raus, da das ältere Modell nicht drauf zugreifen kann. Keine Ahnung, was die da gerade am machen sind, aber es ist in meinen Augen eine Verschlimmbesserung.
Deepseek zeichnet sich derweil als übereifriger Assistent aus. Zum Beispiel möchte ich ein Vorschlag für ein Icon für Bootstrap haben. Da ich eine 0 in Sachen Design bin und keinen Plan habe, welches Symbol man für was verwenden könnte, ist Deepseek für mich da eigentlich eine grosse Hilfe. Doch die Frage nach einem Icon endet in einem Monolog. Ich frage explizit nach einem Vorschlag für ein Icon. Deepseek schlägt mir dann ein paar Icons vor und damit wäre die Anfrage korrekt beantwortet. Doch Deepseek baut mir auch gleich noch einen Beispielcode in Python, zeigt mir wie man einen Webserver aufsetzt, Bootstrap einbindet. Das ist schon schwer anstrengend.
Ich nutze Deepseek auch hin und wieder, um mir Vorschläge für Tools machen zu lassen. Oder eben um Parameter zu setzen. Zum Beispiel ffmpeg hat so viele Parameter, da ist es angenehm, sich Vorschläge machen zu lassen. So hat mich kürzlich interessiert, ob ffmpeg unsere Lets Plays schneiden kann. Wir machen zwischen jedem Tag immer eine kurze Pause, was im Video selbst einen deutlichen Cut verursacht und ich dachte, vielleicht kann ffmpeg das ja erkennen und danach schneiden. Habe mir die ganzen Parameter angeschaut, was zusammengebastelt und natürlich hat das nicht funktioniert. ChatGPT war schon wieder über dem Limit, also habe ich Deepseek gefragt und zur Sicherheit erwähnt, dass ich Arch verwende und ffmpg bereits installiert ist.
Natürlich hat mir Deepseek sofort erklärt, dass das kein Problem ist und es mir sagt, wie ich das mache. Natürlich habe ich dann zuerst einmal gesagt bekommen, dass ich mit apt update und apt upgrade meine Paketquellen aktualisieren soll. Dabei habe ich doch extra Arch und das bereits installierte ffmpg erwähnt. Dann soll ich mit apt install ffmpeg eben das Paket installieren. Aber, ich habe es doch schon drauf und das unter Arch, was ich extra dazu geschrieben habe. Dann bekam ich erklärt, wie ich unter Cinamon ein Terminal öffne. Hä? Mir erst sagen, dass ich im Terminal aktualisieren und installieren soll dann von Cinnamon ausgehen, was ich mit keinem Wort erwähnt habe und mir dann erklären, wie ich ein Terminal öffne? Okay. Dann kam eben die Kommandozeile für ffmpeg und was dabei raus kam war Schwampf. Obwohl mir Deepseek am Ende vollmundig garantiert hat, dass ich damit zielsicher Cuts in Videos erkenne.
Auch eine wirklich amüsante Geschichte war, als ich mir eine Folge Airwolf angeschaut habe und den Gedanken hatte, die Turbos sind ja eigentlich der Oberschwachsinn. Kein Jet-Triebwerk der Welt ist per Knopfdruck sofort angelaufen und kann mit Nachbrenner davon eilen. Klar. Es ist eine Serie die ich liebe und das ist eben alles fiktiv. Ich wollte nun aber wissen, ob man solche Turbos nicht besser mit einem elektro Fan realisieren könnte. Ein E-Motor ist per Knopfdruck sofort auf hoher Drehzahl. Weiss ich vom Modellflug. Mit ChatGPT war ich auch schon auf einem guten Weg, bis dann natürlich wieder meine Zeit abgelaufen ist. Der Switch auf Deepseek hat mich dann sofort belehrt. Energiedichte, Akku, thermische Belastung usw. Irgendwie scheint Deepseek etwas gegen elektrische Antriebe zu haben. Nachdem ich dann gut eine halbe Stunde diskutiert habe, dass es mir einzig um die Frage geht, ob ein elektrischer Antrieb die Turbos realistischer machen könnte, bekam ich dann schnippische Antworten von wegen, wenn ich das einbauen würde, dann könnte ich Airwolf ja auch einen elektromagnetischen Schutzschild einbauen, Energiewaffen und keine Ahnung.
Das ist genauso, wie wenn ich Deepseek bitte, in seinen Antworten die Allman-Formatierung zu verwenden. Also einfach
if(bla == blubb)
{
irgendwas();
}
statt
if (bla == blubb) {
irgendwas();
}
Ich finde diese Formatierung um längen angenehmer und besser leserlich. ChatGPT macht das in der Regel dann auch eine Zeit lang brav, bevor es die Formatierung wieder ändert. Deepseek kontert dann mit schnippischen Antworten wie "Ich werde den Code im gut deutschen, buchhalterischen Format generieren" und dann kommen Kommentare mit ISO und DIN Normen. Dabei will ich doch nur, dass die öffnende Klammer eine eigene Zeile bekommt.
Ein Beispiel hier aus dem Forum ist auch zu köstlich. So habe ich Deepseek gefragt, warum nach der Installation gdm einfach keine deutsche Tastatur haben will, obwohl bei der Installation alles richtig gesetzt ist. Dazu habe ich Deepseek gesagt, dass es sich um Void Linux handelt, der Display Manager gdm und der Desktop Gnome ist.
In der Antwort war der erste Schritt, lighdm.conf zu editieren. Hä? Von LightDM war nie die Rede. Dazu kann ich mit apt install noch diverse Tools installieren. Unter Void? Zum guten Schluss kann ich mit
sudo systemctl restart lightdm
LightDM neu starten und testen. Hä? Seit wann hat Void denn systemd? Das habe ich dann natürlich Deepseek gefragt und darauf hingewiesen, dass es um GDM und Void geht und Void kein systemd verwendet. Sofort bekam ich als Antwort eine Entschuldigung. Das wäre natürlich etwas anderes und ich soll dann doch lightdm.conf ändern und unter Void kann ich LightDM dann mit
sudo systemctl restart lightdm
neu starten. Irgendwie hab ich dann die Lust verloren.
Um aber noch kurz auf das Thema Literatur zu kommen. Da habe ich mir so 1996 mit meinen ersten Gehversuchen unter NetBSD ein UNIX Buch im Karstadt geholt. Fragt mich nicht, wie das hiess. War das einzige, was die zu dem Thema hatten. Hat aber geholfen. Da bestätigt sich auch das, was Sergio aus dem Linux-Talk gerne erwähnt. Seit damals hat sich an der grundlegenden Anwendung nichts geändert. Es gibt nach wie vor ls, ln, rm, mv, cp usw. Man kann Benutzer noch mit adduser oder useradd (je nach Distro) anlegen, es gibt nach wie vor chmod, chown und Co sowie passwd. Also, wenn es um die Grundlagen geht, kann man wahrscheinlich mit keinem dieser Bücher gross was falsch machen. Wie erwähnt wurde, gibt es aber hier und da auch Unterschiede. Zum Beispiel ifconfig ist mittlerweile ja wirklich in vielen Distros nicht mehr zu finden. Aber grundlegend sollten die Bücher passen. Wenn sie nicht auf eine spezifische Distro zugeschnitten sind, die man selbst nicht verwendet.