Bedingt gebe ich dir da Recht. Nicht was Krypto angeht. Spekulanten dürften davon jetzt zwar die Nase voll haben, aber das war ja nie der Grundgedanke, sondern eine Währung frei von Kontrolle und Inflation. Da hege ich die Hoffnung, dass gerade Bitcoin dann jetzt von einem Spekulationsobjekt doch noch seine wahre Bestimmung erfüllt.
Was KI angeht, da bin ich aber voll bei dir. ChatGPT ist keine KI, so wie man den Begriff verstehen sollte. Man muss auch keine Angst haben, dass der Staubsauger irgendwann ein Bewusstsein entwickelt und seinen Besitzer versklaven will. Auch ChatGPT wird niemals auf die Idee kommen, die Weltherrschaft an sich reissen zu wollen. Egal wie viel es lernt.
Die meisten Menschen machen sich aber keine Gedanken, was Intelligenz eigentlich ist. Noch weniger, wie der Mensch, oder der Hund funktioniert. Deshalb ja mein Beispiel mit Baymax. Am Ende des Films könnte man annehmen, Baymax hat ein Bewusstsein entwickelt und ist menschlich. Bricht man aber seine Handlungen auf das Wesentliche runter, dann ist dem eben nicht so. Er lernt Verfahren, die das Wohlbefinden seines Patienten steigern. Mehr nicht. Egal wie es den Anschein hat.
Genau hier setzen dann auch meine Experimente ein und eines ist mir schnell klar geworden. Ein neuronales Netz alleine ist komplett sinnlos. Das braucht Input und auf den Output muss reagiert werden. Wie ich zu meinen Experimenten ja gesagt habe, ich musste dem Ding erst eine Motivation, oder Instinkt geben, sonst wäre überhaupt nichts passiert. Genau da liegt der Knackpunkt und genau da geht auch mein nächster Schritt in dieser Hinsicht hin.
Ich will als nächstes einen richtigen kleinen Roboter bauen. Also ein kleines Fahrzeug. Dafür will ich einen Pi Pico einsetzen und das Teil soll zu Beginn überhaupt nichts können. Es soll also selbst lernen, wie es seinen Antrieb einsetzt. Das wird es aber nicht tun, wenn es keine Aufgabe hat. Also wird sein Grundinstinkt sein, einer weissen Linie zu folgen. Also hat es den Instinkt sich zu bewegen. Muss aber, ähnlich wie im realen Vorbild, erst einmal lernen, wie es sich zu bewegen hat.
Und genau hier fängt es schon an. Denn mit einem neuronalen Netz wird es nicht getan sein. Wie auch? Denn eigentlich müsste das so programmiert sein, dass dieses Netz selbstständig Leitungen zu den Motoren legen müsste. Geht aber nicht. Also muss ich diesen Schritt selbst durchführen, also die H-Brücken der Motoren mit dem Mikrocontroller verbinden. Das Netz bekommt seine Motivation. Folge der weissen Linie. Dieser Instinkt rudert nun jeden einzelnen Durchgang durch das Netz. Hinten raus feuern dann Neuronen, die irgendetwas zu den Motoren schicken. Dann wird geprüft, ob entsprechendes Neuron auch das richtige gemacht hat. In meinem Beispiel wäre das also, es gibt vier Ausgabeneuronen. 1 wäre linker Motor vorwärts, 2 linker Motor rückwärts, 3 rechter Motor vorwärts, 4 rechter Motor rückwärts. Soll der Bot dann einer geraden Linie folgen, muss es also lernen, für seine Aufgabe Neuron 1 und 3 zu feuern.
Da geht es dann gleich weiter. Denn um zu wissen, ob es richtig war und ich ihm das nicht immer sagen muss, muss da eine Möglichkeit sein, das Ergebnis zu prüfen. Also ein Sensor der zeigt, der Bot befindet sich über der weissen Linie. Rechts und Links davon sollte also gleichmässig viel nicht weiss sein. Dann ist es prima. Okay, mit einem gewissen Schwellwert. Genau die Mittellinie zu treffen wäre etwas zu heftig.
Also. Um so einen Bot selbstständig über eine weisse Linie fahren zu lassen, braucht es eine Eingabe, in dem Fall der Instinkt, eine Handlung, die Bewegung und dann eine Kontrollmöglichkeit, also einen Sensor.
Das sollte vom Pi Pico auch problemlos gestemmt werden können. Es wird etwas dauern, klar, aber es sollte zu realisieren sein.
Viel einfacher könnte ich das aber realisieren, indem ich einen statischen Algorithmus einbaue. Also wenn vom Sensor die Eingabe kommt, dass Links und Rechts die Abweichung von Weiss innerhalb bestimmter Parameter ist, feuere Pin 1 und Pin 3.
Wie aber die Bezeichnung schon sagt, es ist statisch. Baue ich da jetzt eine Kurve ein, wird bei der statischen Variante folgendes passieren. Der Bot kommt bis zu der Kurve, die sagen wir mal nach Rechts abbiegt. Dann wird die Abweichung von Weiss grösser, überschreitet den zulässigen Parameter und der Bot bleibt stehen.
Mit einem neuronalen Netz aber nicht. Der kommt dann an die Kurve und fängt an auszuprobieren, was er feuer muss, um auf Kurs zu bleiben. Irgendwann wird er dann lernen, er muss nur 1 feuern, dann wandert der weisse Bereich wieder in die Mitte.
Nach X Zyklen wird das dann so stabil sein, dass man die unmöglichsten Kurse aufmalen kann und er Bot wird folgen, ohne das man selbst irgendwas am Programm geändert hat. Der fährt dann und fährt und fährt, bis irgendwann die Energie alle ist und auch dann versucht er es so lange, bis die Energie sogar für den Mikrocontroller zu schwach ist.
Und schon steht man vor dem nächsten Problem. Denn egal wie perfekt dieses Netz am Ende arbeitet, es wird nie mehr tun können, als einer weissen Linie zu folgen. Aus biologischer Sicht heisst das, es folgt so lange stur seinem Instinkt, bis es stirbt. Das könnte man sogar auf so ein Netz übertragen. Denn speichert man die Gewichte der Synapsen nicht, dann ist hinterher alles erlernte weg, was so etwas wie dem Tod gleichkommt. Man wäre aber ziemlich blöd, wenn man die Werte nicht speichern und später wieder laden würde.
Das zeigt aber das eigentliche "Problem". So eine KI macht immer nur das, was man ihr vorgibt. Deshalb wird ein Staubsauger auch nie etwas anderes machen, als seine Arbeit. Um einen lernfähigen Algorithmus ist immer ein Programm gebaut und das gibt am Ende die Funktionsweise vor. Egal wie viel die KI darin lernt.
Aber genau das ist auch das spannende. Leider kriegen das die meisten Nutzer von KI gar nicht mit. Denn wenn man sich darüber Gedanken macht und sich irgendwann die Frage stellt, wie funktioniert das eigentlich bei mir, dann stellt man recht schnell fest, auch im Mensch, oder jedem anderen Lebewesen muss es irgendwo ein statisch verknotetes Etwas geben, was unsere Handlungen vorgibt. So ist es ja auch. Wir haben das Bestreben zu überleben. Wir wollen uns fortpflanzen usw. Das kann man dann natürlich auch auf eine KI übertragen. Man baut einfach weitere Instinkte ein. Beispielsweise den Überlebensinstinkt. Der funktioniert sogar relativ simpel. Man muss nur den Energiespeicher überwachen und einen Schwellwert einbauen. Ab einer gewissen Spannung tritt der Instinkt, der Linie zu folgen, zugunsten des Überlebensinstinkt in den Hintergrund. Da könnte man die KI darauf trainieren, zum Beispiel ein Solarpanel möglichst gut zur Sonne auszurichten. Wäre auch kein grosser Aufwand, denn der Bot müsste sich dann nur entsprechend drehen.
Wirklich knackig wird es aber dann, wenn man so einem Bot auch noch Neugier beibringen will. Dafür reicht dann ein Netz nicht mehr. Ausser man will eine statische Neugier, die man einprogrammiert. Das wäre aber langweilig. Also käme da ein weiteres Netz zum Einsatz. Möglichst auf einem eigenen Mikrocontroller. Das wird initiiert und kann dann von sich aus lernen, was den Bot neugierig macht und was nicht. Einfach Anomalien rein werfen und dann per Zufall entscheiden lassen, ob etwas interessant ist, oder nicht. Wenn zum Beispiel abseits der weissen Linie ein Fleck ist, der sonst nicht auftaucht, oder so. Man kann ja auch beim Mensch nicht sagen, warum der eine dies interessant findet und der andere nicht. Also wäre Zufall hier adäquat. So könnte die Neugier den Instinkt übersteuern und der Bot könnte über so eine Anomalie fahren. Ist seine Neugier befriedigt, also sind X Zyklen abgelaufen und die Neugier lernt, dass es gar nicht so interessant ist geht es zurück auf die Linie, oder zum aufladen.
Das ist am Ende wirkliche KI. Ein Bot der nicht einfach stumpf das tut, was ein Programm ihm vorgibt, sondern der diverse Reize hat, auf die er individuell reagieren kann. Eben so, wie er es gelernt hat.
Nach meiner Erfahrung heisst das aber, da sind viele Netze am Werkeln. Ein Netz für die Steuerung, eins für die Neugier, eins für Sensoren usw. Und trotzdem wird es am Ende ein Roboter bleiben. Denn auch wenn es Hollywood ja gerne anders zeigt, auch für Emotionen wie Freude und Hass müsste man ein eigenes Netz einbauen. Denn jedes Netz ist ja spezialisiert. Okay, man könnte natürlich ein pervers grosses Netz mit Milliarden von Neuronen basteln, wo man oben was rein wirft und unten kommt dann was selbst gelerntes raus. Aber dazu fehlt uns die Hardware. Ich glaube auch nicht, dass man so etwas mit einer ähm Von Neumann(?) Architektur auf die Reihe kriegt. Der Energiebedarf wäre abartig. Das wäre schon eher mit analoger Technik realisierbar. Die wäre dann aber abartig gross.
Dinge wie ChatGPT sind eine wirklich beeindruckende Sache. Auch was die Erkennung von Strukturen und Objekten angeht, hat mich so manche KI schon stark beeindruckt. Zu nennen wäre da Deepfake. Damit haben wir selbst schon rum gespielt und ich hab aus meiner Tochter ihre lieblings Manga-Figur gemacht. Okay, mein Computer war da massiv an der Leistungsgrenze, aber funktioniert hat es trotzdem. Das ist schon sehr beeindruckend. Aber man sollte KI als einen eigenen Begriff ansehen und das "Intelligenz" nicht so wörtlich nehmen.