Ich habe heute Morgen bei einem OWU Linux installiert. Dabei ist mir etwas aufgefallen, woran ich so überhaupt nie gedacht habe.
Es ging darum. Besagter OWU (und es ist immer noch nicht diffamierend!), hatte keinerlei Interesse daran, irgendetwas selbst zu installieren. Er will von Windows weg, da ihm Windows 11 überhaupt nicht zusagt. Der verwendet ausschliesslich Chrome, Thunderbird und Office. Mehr macht der mit dem Ding nicht und mehr interessiert ihn auch nicht. Ihm gefällt dabei weder das neue Design von Windows, noch das Windows unglaublich gerne nachfragt, ob er nicht doch Edge benutzen will, oder Dateien in OneCloud öffnet, anstatt in dem installierten Office.
Okay. Da habe ich mich dann nicht lumpen lassen und Arch von Grund auf installiert. Da kam dann Cinnamon drauf mit Windows 10 Theme, FreeOffice (ich verwende ihn da als Versuchskaninchen), ich habe seine Windows-Festplatte eingebunden und eine Verknüpft, so dass unter Linux fast alles so ist, wie er das gewohnt war.
Am Ende habe ich ihm dann so eine kleine Zusammenfassung versucht zu erklären. Kernel, Cups, bla, bla. Das endete sehr schnell mit den eindeutigen Worten: "Das interessiert mich nicht!". Ich nehme mal an, mein Gesicht wird sehr fragend ausgesehen haben, denn er ergänzte dann seine Aussage mit: "Ich will meine Arbeit damit machen können, E-Mails abrufen und Zugriff auf meinen Shop haben. Mehr interessiert mich nicht!"
So hat das bislang keiner ausgedrückt. Okay, wenn ich erzähle, was da jetzt drauf ist und so, hören zwar die Meisten nur zu, aber haben nie so einen Gegenwehr gebracht.
Das hat mich zur folgenden Erkenntnis gebracht. Ein OWU ist kein Windowsler und wird kein Linuxer. Wahrscheinlich sollte man aus OWU OU machen, auch wenn das scheisse klingt. Das soll einfach machen was es soll, ohne sich umzugewöhnen. Es muss laufen und was da jetzt drunter ist, interessiert die wahrscheinlich komplett gar nicht. Die haben einen PC und Punkt. Total egal, was da jetzt drauf ist. Solange die Dokumente bearbeitet werden können, man im Netz surfen und E-Mails bearbeiten kann, spielt alles andere überhaupt keine Rolle. So wenig Rolle, dass selbst das umgewöhnen auf einen anderen Desktop schon zu viel ist.
Ich werde das nach Weihnachten mal ausprobieren. Da kriegt ein OWU von seiner Tochter einen neuen PC geschenkt und ich wurde schon angeheuert, den direkt mit Linux zu bestücken. Bei dem werde ich alles technische weg lassen. Der kriegt Arch drauf gezimmert und Cinnamon wird so Windows-Like wie es geht, er kriegt sein Gimp und, auch wenn ich da jetzt schon Gänsehaut bekomme, sein OpenOffice, oder LibreOffice, werden wir sehen. Ohne irgendwelche technische Details. Wenn ich fertig bin soll er mir sagen, ob alles seinen Wünschen entspricht und ich bin mir jetzt schon sicher, der wird mich nichts fragen, der wird nichts wissen wollen, wenn die Kiste nach seinen Wünschen funktioniert, wird der glücklich sein und sich für den kompletten Rest nicht interessieren.